Freitag, 27. Mai 2005

Fischer mit Nebenerwerb? oder der 7te Tag

Unsere Schleppangel im Außenborder

 

Heute machten wir mal...gar nichts. Nur rumhängen, lesen, am Computer Go! spielen, in der Sonne einschlafen und mit Sonnenbrand wieder aufwachen. Kalte Bananenmilch und Nudel-Fertigsuppen. Sogar der Wind war heute auf unserer Seite

 

Alles hätte so schön sein können, wenn sich da nicht am Nachmittag ein offenes Fischerboot mit drei Männern an Bord der NisRanders genähert hätten. Vierhundertfünfzig Kilometer von der Küste entfernt! Das kleine Boot stampfte durch die Wellen direkt auf uns zu - Zeit über Funk mal anzufragen ob sich vielleicht das ein oder andere Kriegsschiff in der Nähe aufhält.

Über Funk erreichte ich ein amerikanisches Küstenwachtschiff das die Situation sofort als ernst einstufte und Kurs auf unsere Position nahm. Es passiert viel in dieser Gegend. Währenddessen kam das Boot mit den drei Männern immer näher; noch fünfzig Meter vielleicht. Über Funk hielt ich laufend Kontakt zu den Amerikanern während Daniel die Harpune und die Leuchtraketen bereitlegte. Ihr kommt hier nicht an Bord!

Die Männer näherten sich weiter; keine Gesten, kein Gruß, kein Winken - nichts, sie kamen einfach nur näher an unser Heck.

Plötzlich erstirbt ihr Motor, sie fallen ab. Gleichzeitig ertönt unser "Fischalarm", eine leere Plastikflasche um die wir unsere Schleppangel wickeln. Sie macht laute Knack-Geräusche wenn ein Fisch anbeißt. Dann riss die dicke Schleppleine durch. Sie hatten unsere Angel in die Schraube bekommen! Tja, tschüss Freunde, das üben wir aber noch mal, oder!?

 

Mit dem Herausschneiden der Schnur dürften sie länger beschäftigt sein. Das amerikanische Küstenwachtschiff hielt weiter auf die angegebene Position zu. In 10-Minuten-Abständen meldeten wir uns per Funk bei ihnen.

 

Eine Stunde später. Da waren sie wieder! Gaben nicht auf. Sie näherten sich wieder über das Heck, steuerten aber dieses Mal rechtzeitig auf unsere Backbordseite um nicht wieder in eine Schleppangel zu fahren. Als sie dicht querab waren grüßte ich wieder. Kein Gruß ihrerseits. Sie starrten mich nur an. Was wollt ihr von uns?  Ich schnappte mir das Funkgerät und ging damit ins Cockpit. Ich hielt es in die Luft, deutete mit dem Finger nach Osten und rief ihnen american coastguard zu.

Augenblicklich drehten sie ab, fuhren zurück in die Richtung aus der sie kamen und wir sahen sie nicht wieder.

 

Die Coastguard "begleitete" uns noch anderthalb Stunden per Funk und drehte dann ebenfalls ab. In die Nacht fuhren wir wieder unbeleuchtet und unter Radar.

Das passierte heute zwischen 1600 und 1800Uhr auf der Position 02°16N 082°48W und ich bin froh, dass die Kinder nicht an Bord waren.